Walter Bien (Hrsg.): Familie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend.

Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen. DJI-Familien-Survey 6. Leske+Budrich: Opladen 1996

Walter Bien, Norbert F. Schneider: Kind ja, Ehe nein?
Status und Wandel der Lebensverhältnisse von nichtehelichen Kindern und von Kindern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften.
DJI: Familien-Survey 7. Leske + Budrich, Opladen 1998

Renate Bauereiss, Hiltrud Bayer, Walter Bien: Familienatlas
Lebenslagen und Regionen in Deutschland. Leske + Budrich, Opladen 1997

Walter Bien (Hrsg.): Familie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen. DJI-Familien-Survey 6. Leske+Budrich: Opladen 1996
... Der Anteil der Ledigen bei den jungen Erwachsenen steigt ... Junge Männer bleiben länger im Elternhaus ... Die Realisierung des Kinderwunsches in Ost- und Westdeutschland ... Kinderlosigkeit ... Kinder in den neuen Bundesländern ... Wertewandel: Einstellungen zu Kindern und Erziehungszielen ... Die hohe Zustimmung zu Kindern - im Osten noch deutlicher als im Westen - hat sich von 1988 bis 1994 nicht verändert.
Die wichtigsten Ergebnisse...
... Der Anteil der Ledigen bei den jungen Erwachsenen steigt Sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern stieg zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten der Anteil der Ledigen insbesondere bei den jüngeren Altersgruppen an. Von den 18- bis 24jährigen im Westen sind 1994 nur 4,4% verheiratet, sechs Jahre früher waren es noch 12,8%. Bei den 25- bis 30jährigen sank im selben Zeitraum der Verheiratetenanteil von 46,9% um ein Fünftel, während er bei den 31- bis 35jährigen von 74,4 % auf 97% stieg. Die Wertschätzung der Ehe ist immer noch hoch, im Osten sogar noch höher als im Westen der Bundesrepublik. Auf die Frage nach der Ehe als Teil oder Sinn des Lebens wird von den meisten Befragten die Antwort „stimme ich zu" oder „stimme ich voll zu" gegeben. Der Zeitpunkt der Heirat wird jedoch im Lebenslauf nach hinten geschoben; im Durchschnitt heiraten Frauen mit circa 27 Jahren, Männer mit über 29 Jahren. Dies ist auf einen längeren Aufenthalt im Elternhaus und auf eine höhere Akzeptanz von Partnerschaften in getrennten Haushalten sowie nicht ehelichen Lebensgemeinschaften zurückzuführen. Der Anteil derjenigen, die jetzt oder früher schon einmal eine Partnerschaft haben oder hatten, sank bei den jungen Erwachsenen von 1988 bis 1994 um 5% (bei den 18- bis 24jährigen auf 65%, und bei den 24- bis 30jährigen auf 88%). ...Junge Männer bleiben länger im Elternhaus Das mittlere Auszugsalter in der Altersgruppe der 18-bis 30jährigen differiert zwischen Männern und Frauen um mehrere Jahre: Die jungen Frauen im Westen sind bereits mit 21 Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen (statistischer Mittelwert), bei den jungen Männern liegt das mittlere Alter beim Auszug aus dem Elternhaus bei 28 Jahren. In den neuen Bundesländern ist das Auszugsalter generell - vor allem aber der Männer - niedriger als im Westen: es beträgt bei Frauen 20 Jahre, bei Männern 24 Jahre. Junge Männer, die auf dem Land leben, bleiben noch länger im Elternhaus, z.T. bis über das 30. Lebensjahr hinaus. Dies deutet daraufhin, daß es sich hier nicht um einen generellen Wertewandel handelt, sondern um eine Verschiebung des Auszugszeitpunkts im Lebenslauf.
 

... Die Realisierung des Kinderwunsches in Ost- und Westdeutschland

Im Osten ist die Realisierung des Kinderwunsches unabhängig von der Heirat, im Westen folgt die Realisierung des Kinderwunsches der Verschiebung des Heiratsalters. In der „alten" Bundesrepublik zeigte sich in den letzten beiden Jahrzehnten der Trend, die Familiengründung zeitlich hinauszuschieben. Dies resultierte aus längeren Ausbildungszeiten und, damit verbunden, späterer ökonomischer Selbständigkeit.

In den neuen Bundesländern wird das Familiengründungsverhalten der DDR bislang etwas abgeschwächt beibehalten. Der Anteil der jungen Erwachsenen mit Kindern sank hier bei den 18-bis 24jährigen von 9% auf 4%, bei den 24- bis 30jährigen von 45% auf 34%. Dies ist nicht auf Einstellungsänderungen zurückzuführen; auch im Osten stimmt die Mehrheit der Aussage zu: „Es macht Spaß, Kinder aufwachsen zu sehen".

In Ostdeutschland gab es nur eine geringe Verschiebung des Alters bei der Geburt des ersten Kindes; demgegenüber hat sich der Trend zur Familiengründung innerhalb einer nichtehelichen Partnerschaft seit 1990 weiter verstärkt. Entgegen den Erwartungen, daß nun im Osten beide Elternteile die familienrechtliche Sicherstellung des Kindes und die Unterhaltsabsicherung anstreben, wird 1994 sogar nur noch die Hälfte der Kinder in einer Ehe geboren. 1990 waren es noch mehr als zwei Drittel. Mit dem weiter gestiegenen Anteil nichtehelicher Lebensformen folgt die Entwicklung in Ostdeutschland eher dem nord- und osteuropäischen Modell als dem der „alten" Bundesrepublik, wo der Anteil der nichtehelich geborenen Kinder an allen Kindern relativ stabil um 10% liegt. Vergrößerte sich die Familie bzw. bestand sie über einige Jahre, heiratete auch in den neuen Bundesländern ein großer Teil der Befragten.

 
 Nach dem Gebietsstand zum jeweiligen Zeitpunkt
... Kinderlosigkeit Die amtliche Statistik zeigt in den letzten Jahren eine Zunahme der Kinderlosigkeit - aufgrund des gestiegenen Heiratsalters oder aus anderen Gründen. Dauerhafte Kinderlosigkeit betrifft aber nur eine kleine Gruppe der Frauen, zur Zeit etwas mehr als 10%; wenn die Hochrechnungen zutreffend sind, demnächst 20%. Das heißt aber auch, daß über 80% aller Frauen Kinder bekommen werden. Betrachtet man Frauen im Alter über 40 Jahren, zeigt sich daß Kinderlose deutlich weniger Geschwister haben als Frauen mit Kindern. Bei den Männern zeigt sich dieser Effekt nicht. 12% der kinderlosen Frauen und 18% der kinderlosen Männer im Alter von über 40 Jahren gaben an, niemals eine dauerhafte Partnerschaft gehabt zu haben. Mütter haben einen schlechteren Gesundheitszustand als kinderlose Frauen ihrer Altersgruppe. Schwangerschaft, die Sorge um die Kinder und die dadurch bedingte Mehrarbeit im Haushalt hinterlassen ihre Spuren. Die dauerhaft kinderlosen Frauen dieser Altersgruppe fühlen sich gesünder (60% geben "sehr gut" oder "gut" an) als die Mütter (nur 47% geben "sehr gut" oder "gut" an). Bei den Männern konnten dagegen keine gesundheitlichen Unterschiede zwischen Kinderlosen und Vätern festgestellt werden. In den alten Bundesländern haben die Großstädte die höchsten Kinderlosenanteile. Die Anteile steigen von den hochverdichteten Kreisen über die Mittelstädte bis zu den Großstädten kontinuierlich an. Dauerhaft kinderlose Männer und Frauen haben im Durchschnitt eine deutlich höhere Schulbildung als die Eltern der Vergleichsgruppe.
 

... Kinder in den neuen Bundesländern

In den neuen Bundesländern ist der Anteil der Kinder unter 18 Jahren, die mit verheirateten Eltern zusammenleben, deutlich gesunken.

Kinder unter 18 Jahren in den neuen Bundesländern nach Familienstand des befragten Elternteils (in %)

Familienstand des befragten Elternteils

1990

1994

Ledig alleinlebend

1.4

2.2

Ledig mit Partner zusammenlebend

3.8

6.9

Verheiratet zusammenlebend

83.3

74.9

Verheiratet getrennt lebend

0.9

2.2

Geschieden alleinlebend

4.6

5.6

Geschieden mit neuem Partner zus. leb.

5.2

6.3

Verwitwet (mit und ohne Partner)

0.8

1.8

Insgesamt: (alle Angaben in %)

100.0

100.0

Fallzahlen

1801

3806

 

 

Kinder in den neuen Bundesländern, die in den letzten vier Jahren eine Heirat, Trennung oder Scheidung der Eltern erlebt haben

Angaben jeweils in % der Altersgruppe

Heirat der Eltern

Trennung der Eltern

Scheidung der Eltern

0-5jährige Kinder 1990 (n=559) 1994 (n=1039)

29.5 23.0

5.7 6.4

5.9 4.7

6-11jährige Kinder 1990 (n=687) 1994 (n=1413)

8.3 5.4

6.3 6.4

6.0 4.7

12-17jährige Kinder 1990 (n=565) 1994 (n=1354)

5.7 3.1

4.4 5.8

4.6 3.7

Insgesamt: 1990 (n=1811) 1994 (n=3806)

14.0 9.4

5.5 6.2

5.5 4.4

Eine relativ große Teilgruppe der Kinder erlebte Veränderungen des Familienstands innerhalb des beobachteten Zeitraums von vier Jahren. Für fast ein Viertel der 0- bis 5jährigen Kinder war dies die Heirat der Eltern. Für circa 5% der Kinder war dies eine Scheidung
 
... Wertewandel: Einstellungen zu Kindern und Erziehungszielen Zu der Einstellung „Kinder als Belastung" geben Frauen, Befragte aus den alten Bundesländern und Ledige sowie Alleinerziehende höhere Zustimmungswerte an. Etwas erstaunlich erscheint, daß Kinder am wenigsten von Eltern mit einem oder mit zwei Kindern als Last empfunden werden, wohingegen die Einschätzung von Personen ohne Kinder in dieser Hinsicht derjenigen von Eltern mit drei und mehr Kindern entspricht. ... Die hohe Zustimmung zu Kindern - im Osten noch deutlicher als im Westen - hat sich von 1988 bis 1994 nicht verändert. Die deutlichsten Unterschiede bestehen dabei zwischen Kinderlosen und Ledigen auf der einen Seite, und Eltern und Verheirateten auf der anderen Seite. Kinderlose und Nichtverheiratete bevorzugen postmaterielle, individuumbezogene Werte, wie „verstärkte Mitsprache" und „freie Meinungsäußerung". „Kinder und Ehe als Lebenssinn" wird auch von dieser Gruppe hoch bewertet, aber dennoch im Vergleich zu den Verheirateten und den Eltern etwas niedriger eingestuft. „Kinder und Ehe als Last" wird von den nicht Betroffenen in der Regel negativer gesehen als von denen, die tagtäglich diese Lasten erleben. Bei den Erziehungseinstellungen gilt ähnliches wie bei den Einstellungen zu den politischen Zielen; insbesondere Unverheiratete messen den Erziehungszielen eine geringere Bedeutung zu als Verheiratete. Generell gilt: die familialen Veränderungen bedingen eher Einstellungsveränderungen, als daß bestimmte Einstellungen familiales Verhalten bedingen.

Walter Bien, Norbert F. Schneider: Kind ja, Ehe nein? Status und Wandel der Lebensverhältnisse von nichtehelichen Kindern und von Kindern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. DJI: Familien-Survey 7. Leske + Budrich, Opladen 1998
Die in diesem Band analysierten Daten stammen aus zwei verschiedenen Untersuchungen im: „Lebenslage nichtehelicher Kinder" an der Sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle der Universität Bamberg, und „Lebenslage von Kindern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften am Deutschen Jugendinstitut.
Die wichtigsten Ergebnisse...

... Nichteheliche Geburten : Große Unterschiede zwischen Ost und West

  • Der Anteil nichtehelicher Geburten liegt im Westen der Republik seit 100 Jahren relativ stabil bei 10%.
  • Der Anteil nichtehelicher Geburten im Osten ist in der DDR und nach der Wiedervereinigung auf ungefähr 50% angestiegen, d.h. fast jedes zweite Kind in den neuen Bundesländern wird unehelich geboren. Der relative Anstieg nach der Wiedervereinigung ist nicht auf eine Zunahme der absoluten Zahlen der nichtehelichen Geburten in den neuen Bundesländern zurückzuführen, sondern auf eine stärkeren Rückgang der ehelichen Geburten, bzw. auf eine Verschiebung der ehelichen Geburten auf einen späteren Zeitpunkt.
  • Nichteheliche Mutterschaft ist nur selten bewußt geplant. Lediglich 7 % (alte Bundesländer) bzw. 2 % (neue Bundesländer) der Mütter von nichtehelich geborenen Kindern handelten nach dem Motto „Kind ja, Mann nein".
  • 50% der nichtehelich Geborenen werden später in einer Ehe ihrer leiblichen Eltern legitimiert - im Westen etwas später, im Osten etwas früher. In nur ca. 10% der Fälle bleiben die Eltern über den 18 Geburtstag der Kinder hinaus unverheiratet zusammen, der Rest, gut 40% der Eltern trennt sich in der Zwischenzeit.
  • Rund 50% der Kinder, deren Eltern nicht heiraten, leben an ihrem 18. Lebensjahr bei einem alleinerziehenden Elternteil ohne aktuelle Partnerschaft, 10% leben bei einem Elternteil und dessen unverheiratenen Partner, 20% ist in einer Ehe mit einem Stiefelternteil aufgenommen worden und das letze Fünftel (also 10% der unehelich Geborenen insgeamt) leben in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft mit den leiblichen Eltern zusammen. Insgeamt leben also 60 % aller nichtehelich Geborenen 18 Jahre später mit den leiblichen Eltern zusammen, 50 % in einer Ehe, 10% in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.
  • Bezogen auf die nichtehelichen Lebensgemeinschaften: nur jede vierte bis fünfte bei der Geburt eines Kindes existierende nichteheliche Lebensgemeinschaft, die nicht zu einer Ehe führt, hat die Chance, bis zum Erwachsenwerden der Kinder weiterzubestehen. Kinder, die nichtehelich geboren wurden und deren Eltern auch nach der Geburt nicht heiraten, erleben häufig die Trennung ihrer Eltern, eine Reduktion verwandtschaftlicher Kontakte und eine schwierige sozio-ökonomische Situation. Ehelich geborene oder ehelich legitimierte Kinder erleben dagegen eine deutlich höhere Konstanz ihrer Familiensituation. Weniger als 20% aller ehelich geborenen Kinder erleben bis zu ihrem 18. Lebensjahr eine Trennung der Eltern.
  • 1995 gab es in Deutschland 475.000 nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern im gemeinsamen Haushalt (422.000 mit Kindern unter 18 Jahren). Das sind 1.1% aller Haushalte in Deutschland bzw. 4,6% aller Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren bzw.ein Viertel aller Haushalte mit alleinerziehenden Müttern oder Vätern. Rechnet man nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern und getrennten Haushalten der Partner hinzu, bildet die Gesamtgruppe der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern insgesamt 1,6% aller Haushalte. Ein großer Teil der Kinder in den nichtehelichen Lebensgemeinschaften stammen nicht aus diesen nichtehelichen Partnerschaften, sondern zu 40% aus einer vorhergehenden Ehe und zu 16% aus einer vorhergehenden nichtehelichen Lebensgemeinschaft.
  • Die meisten nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern (56 %) sind nacheheliche Stiefverhältnisse, d.h. die leiblichen Eltern sind geschieden, leben getrennt, oder ein Elternteil ist gestorben, und das verbleibende Elternteil hat einen neuen Partner gefunden.
  • Nur ein verhältnismäßig kleiner Anteil nichtehelich geborener Kinder ist auf Unterhaltszahlungen nach dem UVG angewiesen. Solche Unterhaltszahlungen für das nichtehelich geborene Kind erhalten 24 % der Mütter in den alten und 16 % der Mütter in den neuen Bundesländern. Von den Müttern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften erhalten nur 2 % Unterhaltszahlungen, hingegen 32 % derjenigen Mütter, die nach der Geburt eines nichtehelichen Kindes in ihrer eigenen Herkunftsfamilie bleiben.
  • In nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern herrscht eine höhere Einkommenshomogenität zwischen den Partnern als in einer ehelichen Familie.
 


Renate Bauereiss, Hiltrud Bayer, Walter Bien:
FamilienatlasLebenslagen und Regionen in Deutschland. Leske + Budrich, Opladen 1997

Der Familienatlas stellt Regionaldaten über 544 Kreise bzw. Gemeinden in Deutschland zur Verfügung. Deren familienrelevante Daten sind auf einer am Deutschen Jugendinstitut (DJI) aufgebauten Regionaldatenbank gespeichert und in einem Datensatz in Form von 61 Karten (Variablen) dokumentiert worden. Die Daten stammen teilweise aus der amtlichen Statistik, teilweise aus aktuellen wissenschaftlichen Erhebungen bzw. Analysen.

  • Die Haushaltsgröße von Familien hängt stark von der jeweiligen Wohnregion ab. 1994 lebten in kleineren Gemeinden Bayerns 49 % der Bevölkerung in Haushalten mit vier und mehr Personen, in Städten ab 100.000 Einwohnern jedoch nur 24 %. Im Saarland betrugen die Vergleichswerte 31 % und 22 % , in Sachsen 40 % und 26 %.
  • Alle Bundesländer verzeichnen einen kontinuierlichen Rückgang an Ehepaaren mit minderjährigen Kindern sowie eine ebenso kontinuierlichen Zuwachs an Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern. In Bremen sank der Anteil der Ehepaare zwischen 1972 und 1993 von 92 % auf 76 %, während der Anteil der Alleinerziehenden auf fast ein Viertel anstieg. In Bayern sank der Ehepaaranteil von 91 % auf 86 %, während der Anteil an Alleinerziehenden sich entsprechend erhöhte.
  • Trotz des Wandels familialer Lebensformen wächst die Mehrheit der minderjährigen Kinder nach wie vor in einer Familie mit ihren miteinander verheirateten Eltern auf. In Baden-Württemberg zu 89 % (1994), in Hessen zu 87 %, in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu 79 %. Bundesweites Schlußlicht bildet Berlin Ost mit 69 % und Berlin West mit 75 %.
  • Die Situation des Heranwachsens ist in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands ungleich ausgeprägt: Der Jugendlichenanteil an der Bevölkerung (1994) differierte zwischen 14 % (z.B. in Hamburg) und 27 % (im westlichen Niedersachsen). Die ländlichen Kreise im früheren Bundesgebiet lagen mit einem Anteil von durchschnittlich 23 % weit unter dem in den neuen Bundesländern mit 44 %.

  • Die institutionelle Beratung von Jugendlichen und Hilfe zur Erziehung (gemäß § 28 KJHG) wurde je nach Bundesland unterschiedlich stark in Anspruch genommen: 1994 erhielten von jeweils 10.000 jungen Menschen unter 27 Jahren in Bremen 120 Personen Hilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses, in Berlin waren es 102 Personen, in Thüringen 54 und in Mecklenburg-Vorpommern 76.

  • Die verfügbaren Plätze in Kindertageseinrichtungen waren 1994 gegenüber 1990/1991 in Schleswig-Holstein um 35,1 % gestiegen, in Hamburg um 24,9 % und in Bayern um 31,4 %. Besonders auffällig war die Zunahme an Krippenplätzen: Schleswig-Holstein +91,6 %, Bremen +213,1 %, Nordrhein-Westfalen +73,7 %, Saarland +110,4 %. In den neuen Bundesländern nahmen die verfügbaren Plätze in Kindertageseinrichtungen aufgrund gesunkener Nachfrage und vorheriger Überversorgung ab.
  • Die Ausländeranteile verteilen sich ungleichmäßig über die Bundesrepublik. In vier Bundesländern wohnten 1993 72 % aller Ausländer und Ausländerinnen: 27 % in Nordrhein-Westfalen, 18 % in Baden-Württemberg, 15 % in Bayern und 11 % in Hessen. Auf die neuen Bundesländer entfielen insgesamt nur 3 %.
  • Auf Kreisebene sind starke Unterschiede in der Wohnraumversorgung zu erkennen. Während z.B. in Kreisen des Saarlands und der Rheinland-Pfalz auf einen Einwohner mehr als zwei Räume kommen, sind es in Nordrhein-Westfalen in keinem Kreis mehr als 1,9.
 

Kontakt

+49 89 62306-322
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Gefördert / finanziert durch

Bundesministerium für Famile, Senioren, Frauen und Jugend

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